La Notte Rosa

Für die Notte Rosa am 04. Juli bin ich in den Ort gegangen, um etwas Rosafarbenes für die Feier zu besorgen. In der kleinen Papeteria SAGAM auf dem Vorplatz der Altstadt habe ich ein Band gefunden, das ich mir in die Haare binden wollte. Ich hatte allerdings kein Kleingeld und die Dame im Geschäft konnte nicht herausgeben. Ich habe ihr erklärt, dass das Band für die Notte Rosa ist. Sie hat nur abgewunken und gesagt, es sei okay, ich solle es einfach mitnehmen.

Danach bin ich in die Mini-Boutique direkt am Vorplatz der Altstadt gegangen und habe nach einem rosa Oberteil geschaut. Der Verkäufer, Pino, war sehr hilfsbereit und freute sich mit mir, dass ich etwas gefunden habe. Er fragte mich nach meinem Namen. Als ich „Petra“ sagte, strahlte er und meinte: „Jaa, Petra – die Stadt in Jerusalem.“ Er erzählte mir, dass er schon immer einmal dorthin reisen wollte.

Danach fragte er, ob ich diejenige sei, die nun hier in Vitorchiano wohnt – also, der Buschfunk funktioniert.
Das gesamte Gespräch verlief, wie üblich, auf Italienisch, Englisch und mit vielen Gesten. Und wenn die Verständigung mal nicht so gut klappt, sagen alle immer wieder: Piano, piano – con calma – tutto bene.

Ich treffe Angelica Urbena, „unsere“ Maklerin, die mittlerweile eine gute Freundin geworden ist. Sie lädt mich ein, die Notte Rosa mit ihr und ihren Freunden bei ihr am Büro zu verbringen, das direkt in der Altstadt liegt.

Notte Rosa in Vitorchiano

Die Notte Rosa – die „Rosa Nacht“ – ist ein Sommerfest, das in vielen Orten Italiens gefeiert wird. In Vitorchiano kleiden sich an diesem Abend viele Menschen in Rosa, die Altstadt wird passend angestrahlt und überall sorgen Musik, Essen und geöffnete Geschäfte für eine fröhliche Stimmung. Es ist einer dieser Abende, an denen sich das ganze Dorf trifft und gemeinsam den Sommer genießt.

Gegen 19:30 Uhr gehe ich in den Ort. Die kleine Altstadt und der Vorplatz haben sich in einen großen Festplatz verwandelt, der sich langsam füllt. Überall stehen Stände und Buden mit Essen, Snacks, Getränken, Spielzeug und vielem mehr. Auch die umliegenden Geschäfte haben geöffnet.

Am Büro von Angelica angekommen, lerne ich viele Freunde und Bekannte von ihr kennen. Mir schwirrt der Kopf von den vielen Namen. Zwischendurch kommen aber auch einige bekannte Gesichter vorbei und freuen sich, mich zu treffen.

Gemeinsam gehen wir in eine Seitenstraße, wo auf einer langen Tischreihe ein Buffet mit italienischen Speisen aufgebaut ist. Man wird bedient wie in einer Kantine und bezahlt am Ende einfach das, was man sich ausgesucht hat. Zurück vor Angelicas Büro stehen Tische und Stühle bereit und wir essen alle gemeinsam.

Ich lasse mich von der Atmosphäre einfangen. Es fühlt sich nicht wie Urlaub an. Es ist eher ein fröhliches Miteinander, bei dem sich alle kennen oder sich ganz selbstverständlich kennenlernen. Es ist einer dieser Momente, in denen ich merke, dass ich nicht mehr nur zu Besuch bin, sondern das ich nun den ersten kleinen Schritt getan habe, um ein Teil der Dorfgemeinschaft zu werden.

Mit einigen kann ich mich auf Englisch unterhalten. Ich erfahre einiges über ihre Lebensgeschichten und natürlich muss ich auch unsere Geschichte erzählen. Alle sind super freundlich, interessiert und sehr darauf bedacht, dass es mir gut geht.

Nach dem Essen laufen wir – oder besser gesagt schlendern wir, ich muss einfach etwas langsamer werden – zur Aussichtsplattform, wo die Moai-Figur steht. Dort lauschen wir einer ziemlich rockigen Damenband.

Die Aussicht auf die Altstadt ist wunderschön. Heute wird sie in Rosa angestrahlt. Das Wetter ist angenehm, in dieser Nacht weder zu kalt noch zu warm.

Zurück in der Altstadt ist die Party in vollem Gange. Auf dem Vorplatz läuft lautstark Disco. Am Eingang der Altstadt gibt es Gesang mit Piano und einen „Feentanz“.

Unten vor dem Rathaus spielt eine italienische Band italienische Lieder.

Mittlerweile ist es fast Mitternacht. Ich helfe noch bei Zusammenräumen der Tische und Stühle vor Angelicas Büro und mache mich dann auf den Rückweg.

Auf dem Vorplatz sind noch viele Menschen unterwegs. Dort, wo die Disco und der Spielplatz sind, ist richtig viel los. Viele Kinder jeden Alters toben ausgelassen umher auch wenn es mittlerweile 0:30 Uhr ist. Die Musik begleitet mich noch gut hörbar auf meinem Weg nach Hause.

Zu Hause setze ich mich auf die Couch und lasse den Abend nachwirken. Dann gehe ich zufrieden schlafen.

Um Punkt zwei Uhr ist Ruhe. Keine Musik mehr. Nur noch ein paar fröhliche, leise Gespräche von Menschen, die sich ebenfalls auf den Heimweg gemacht haben.


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