12.07.2026
Es ist Sonntag. Wir erkunden den Dachboden, denn der Internet-Empfänger soll endlich aufs Dach. Dafür müssen wir erst einmal schauen, wie wir das Projekt am besten umsetzen.
Wir ziehen die wackelige Dachbodentreppe herunter und steigen nach oben. Oben angekommen, machen wir erst mal eine kurze Pause zum innerlichen Sammeln – die Bilanz: Wir können den Sperrmüll wohl gleich noch einmal bestellen! Hier oben liegt reichlich Kram herum, und das vermutlich schon eine halbe Ewigkeit.
Der Blick aus dem Dachbodenfenster ist fantastisch, das lässt mich das Gerümpel auf den Dachboden kurz vergessen.

Beim weiteren Herumstöbern stolpern wir über eine Tüte und riskieren einen Blick hinein.
Munition! Hm … was für welche? Für uns als Laien ist das absolut unmöglich zu sagen. Und was machen wir jetzt damit?
Ich frage erst mal unsere super Entsorgungs-App. Sie heißt „Junker“, lässt sich glücklicherweise auf Deutsch umstellen (was uns zurzeit noch extrem hilft) und funktioniert wirklich klasse. Man kann einfach alles eingeben, was man loswerden möchte, und die App verrät einem sofort das Was, Wann und Wo. Außerdem erinnert sie super zuverlässig an die regulären Müllabfuhr-Termine.
Die App schlägt uns nun vor, die Patronen in einem Waffenladen abzugeben. Hm … so ein Geschäft gibt es hier in der Nähe allerdings nicht. Also stöbere ich noch ein bisschen im Internet, wie wir mit unserem brisanten Fund am besten umgehen sollen.
Das Ergebnis: Wir müssen die Carabinieri informieren.
Anrufen ist allerdings so eine Sache, da wir uns ein Telefonat auf Italienisch noch nicht zutrauen. Also beschließen wir kurzerhand, am nächsten Morgen einfach persönlich bei der Wache vorbeizuschauen.
Dort werden wir freundlich empfangen, zunächst zwar ein wenig skeptisch beäugt, dürfen dann aber erklären, weshalb wir da sind. Sofort wird alles offiziell aufgenommen. Eine sympathische Mitarbeiterin schildert unseren Fall lebhaft am Telefon einer anderen Dienststelle, während die Carabiniera parallel unsere Personalien notiert. Dann steht sie auf und kommt mit einer dicken, uralten Akte zurück – exakt so, wie man es aus alten Filmen kennt, in denen in alten Unterlagen irgend welche Papiere gesucht werden! Sie sucht, blättert und liest laut einige Namen vor, unter anderem auch den des Vorbesitzers unseres Hauses. Wir schauen gespannt zu und fragen uns insgeheim, was jetzt wohl passiert.
Dann wird noch ein Foto der Munition an die Hauptdienststelle geschickt. Die Carabiniera entschuldigt sich lächelnd für ihr holpriges Englisch und erklärt uns, dass heute noch jemand vorbeikommen wird, der Englisch spricht, um die Munition abzuholen.
Am Nachmittag klingelt tatsächlich das Telefon. Ein Carabiniere fragt, ob er jetzt vorbeikommen könne – und kündigt an, den Vorbesitzer unseres Hauses gleich mitzubringen. Aha … okay … na, mal sehen!
Zehn Minuten später stehen die beiden auch schon vor unserer Tür. Sie sind super freundlich, alle stellen sich direkt mit Vornamen vor, und wir scherzen und lachen erst mal zusammen. Sie fragen uns, ob wir nun ganz hier wohnen oder nur für die Ferien da sind. Als wir stolz antworten, dass wir ab jetzt fest hier leben, werden wir von ihnen herzlich in Vitorchiano willkommen geheißen. Was für ein schöner Moment!
Dann übergeben wir die Munition. Der Carabiniere steckt sie ein und erklärt uns, dass diese nun ordnungsgemäß vernichtet wird.
Tja, so geht wieder ein ereignisreicher Tag vorbei. Wir haben wieder einmal unglaublich nette Menschen kennengelernt. Und der Internet-Empfänger? Der muss nun weiterhin erst einmal händisch in den Garten gestellt werden und ist noch lange nicht auf dem Dach montiert. Aber das ist völlig okay.
Ich zitiere einfach den Satz, den ich hier inzwischen wohl am allerhäufigsten höre:
„Piano, piano.“ 😊
